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Reto Bärtschi – Künstler

«Komischer Vogel ist ein Kompliment für mich.» Reto Bärtschi ist farbig. Speziell. Er fällt aus dem Rahmen, ist selbsternannter Meister im Fluchen und lebt täglich im «Modus Fasnacht». Während er sich selbst nicht zu ernst nehmen will, ist ihm vor allem eines wichtig: Die Beziehung von Mensch zu Mensch. Und das widerspiegelt sich in seiner Arbeit.

30.12.2025

Reto Bärtschi ist ein komischer Vogel

Eine Aussage, die den Künstler aus Wangenried eigentlich aus der Reserve locken sollte. Ihn provozieren müsste. Vielleicht soll sie eine andere Seite preisgeben. Ein Blick hinter die Fassade ermöglichen, welche beim gelernten Carrosserie-Spengler im ersten Moment glatt wie Lack aussieht. Viel Lachen. Viel Gestikulieren. Geschichten erzählen. Begeistern. Er zieht Menschen in seinen Bann, erzeugt Interesse an seiner Person, bringt sein Umfeld zum Lachen. Während andere ihre Kreativität nur an der Fasnacht ausleben, tut er dies täglich. Plötzlich trägt der Banker blaue Haare. Für Reto Bärtschi hingegen ist immer «Modus Fasnacht» angesagt.

«Ich war überzeugt,
ich selbst hätte die Kunst erfunden.»

 

Und wer ihm dann zuhört, wenn er Geschichten aus seinem Leben preisgibt, findet zwischendurch, dass der Mann mit Geburtsjahr 1971 selbst mit einem Kostüm aus Fleisch eine Gruppe Veganer begeistern könnte. Ihn aber aus der Bahn werfen? Ihn provozieren? Es scheint schwierig.

Aber Reto Bärtschi ist doch ein komischer Vogel, oder?

«Ja, das ist er», sagt Bärtschi selbst und lacht. Andere würden dies als Beleidigung auffassen, er sagt: «‹Komischer Vogel› ist ein Kompliment für mich.» Schon in der Schule sei er «Schmutzfink» genannt worden. Eine kaum leserliche Schrift habe er gehabt. Und deshalb: Schmutzfink. Und auch dieser Ausdruck, auf den ersten Blick beleidigend, habe ihn selbst nie gestört. «Ich mag Vögel. Ich habe mir sogar Vögel tätowieren lassen. Vögel können davonfliegen. Sie sind frei.» «Komischer Vogel» sei also keine Beleidigung, sondern vielmehr ein Kompliment. Und letztlich sei er auch genau deshalb erfolgreich. «Dass ich anders bin, dass ich speziell bin, bringt mir heute mein Geld ein», sagt er. Das Unkonventionelle, das Spezielle, es ziehe den Menschen von heute an. Das zeige sich auch bei seinen
Kunstwerken, die oft innert Kürze oder sogar schon vor der eigentlichen Produktion verkauft sind. «Die Menschen wollen ein Teil der Kunst sein. Mein Getue, meine Narrenfreiheit, sie führt dazu, dass ich interessiere.»

Also ist Reto Bärtschi ein komischer Vogel!

Und das mit Erfolg. Bärtschi hat schon im bekannten Museum Franz Gertsch ausgestellt und war auch schon ausserhalb der Landesgrenzen tätig. Heute gehen Werke von ihm für mehrere tausend Franken an neue Besitzer über, auch bei Sammlern sind seine Werke begehrt. Das macht auch stolz. Oder in Bärtschis Fall eher stolz machte. «Phasenweise hatte ich den totalen Grössenwahnsinn. Ich war überzeugt, ich selbst hätte die Kunst erfunden.» Davon habe er sich aber entschieden entfernt. Als Menschen ihn plötzlich ehrfürchtig begrüssten, hat es nicht mehr gepasst. «Die Cüpli-Anlässe und Einladungen – das war mir zu viel. Das hat nicht zu mir gepasst. Deshalb zählt heute nur noch meine Arbeit. Ich bin nicht stolz auf mich. Ich bin mir selbst sogar ziemlich egal.» Seine Arbeit aber bereite ihm Freude. Sie sei ein Ausdruck von ihm selbst und zeige seine Geschichten, sein Leben. Denn eines komme da immer wieder zum Vorschein: Seine Erlebnisse und seine Philosophie der Beziehungen zwischen Menschen. Jedes Kunstwerk habe eine Geschichte. Jedes. Und diese Geschichten würden immer darauf zurückführen, wie er die Beziehung zwischen Menschen gerne haben würde. Ein komischer Vogel – mit tollen Beziehungen.
Und so kommt es dann auch, dass er zwischenzeitlich die Kinder seiner Ex-Frau malt. Die Beziehung sei friedlich auseinandergegangen, heute seien sie «wirklich gute Freunde», ihre Kinder hätten Freude an ihm, noch heute
unterstütze ihn seine Ex-Frau bei gewissen Projekten. «Die Frage ist, wie man mit Menschen umgeht», sagt Reto Bärtschi. Und was das ausmacht. Krieg mache ihn traurig. Und auch ein wenig ratlos. Als Gemeinschaft sollte
man solche Probleme doch anders lösen können, findet er. Entsprechend fliesse dann oft auch das «Wie es sein könnte» in seine Arbeit ein. Und deshalb ist sein persönliches Symbol, der Wächter, auf sein Lieblingsthema
ausgelegt. Es zeigt ein Strichmännchen ohne Arme und Beine. Denn um Menschen geht es letztlich. Immer wieder.

Ein komischer Vogel. Und die dazu passende, verständnisvolle Bank

Und für Reto Bärtschi ist deshalb auch die Clientis Bank Oberaargau die genau richtige Bank. Denn die Menschen, die hier arbeiten, die kennt er. Aus dem Kiwanis Club. Aus der Schule. Aus irgendwo entstandenen Freundschaften. «Einander kennen schafft Vertrauen. Und dieses Vertrauen beruht bei uns auf Gegenseitigkeit», sagt Reto Bärtschi. 

Er sei überzeugt, dass ihm die Clientis Bank Oberaargau helfen würde, wenn es nötig wäre. Und so tat sie es auch schon. «Als ich eine Hypothek brauchte, um hier in Wangenried zu bauen, konnte ich als Künstler keinen gewöhnlichen Lohnausweis vorlegen. Und dennoch hat man mir vertraut. Das hätte keine andere Bank getan.» Dieses Vertrauen, das schätze er. Und letztlich sei er auch auf die Dienstleistungen angewiesen, welche «seine» Bank ihm noch heute anbietet. Denn: «Ich komme monatlich bei der Bank vorbei, um Zahlungen zu tätigen. Ich habe bis heute kein E-Banking und keinen Computer», sagt Reto Bärtschi und lacht, ehe er abschliessend anhängt: «Es stimmt schon: Reto Bärtschi ist ein komischer Vogel.»

 

 

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