Ein gesundes Misstrauen hilft gegen Betrüger
Kriminalität im Internet nimmt stetig zu, die Maschen der Betrüger werden konstant ausgefallener. Um sich dagegen zu schützen, hilft ein gesundes Misstrauen – aber auch Wissen. Deshalb erzählt Chantal Ryf, Sicherheitsverantwortliche bei der Clientis Bank Oberaargau von mittlerweile leider alltäglichen Betrugsfällen.
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Es ist ein Mail-Text, der wahrscheinlich bei vielen Erinnerungen wachruft. Solche Mails erhält man heute viele, Beispiele gibt es genauso zahlreiche. Das Netflix Abo abgelaufen – sofort erneuern. Oder: Ihr Vermögen ist blockiert, damit es zu Ihnen zurückfindet braucht es eine Überweisung. Gleiches gibt es mittlerweile auch brieflich. So wurden im Namen der Zürcher Kantonalbank Briefe versendet, um auf eine Änderung im e-Banking-Login hinzuweisen. Via QR-Code gab man seine Logindaten preis und brachte dadurch sein Vermögen in Gefahr. Diese Vorfälle zeigen: Online-Betrug nimmt zu.
Nachfragen schafft Sicherheit
Was man dagegen tun kann? «Gesunder Menschenverstand. Ein gesundes Misstrauen hilft allgemein gegen Betrügereien», sagt Chantal Ryf. Sie ist Mitglied des Kaders und unter anderem Sicherheitsverantwortliche der Clientis Bank Oberaargau. «Mit der Clientis AG und ihren Sicherheitsverantwortlichen stehen wir oft in Kontakt, um neue Maschen frühzeitig zu erkennen und auch den Behörden zu melden», erklärt sie eine ihrer Aufgaben. «Aber letztlich helfen vor allem auch allgemeine Vorsichtsmassnahmen. Bei Mails stets den Absender prüfen, wenn im Schreiben zeitlich Druck aufgesetzt wird, ist es ratsam, bei der Bank nachzufragen, ob die Nachricht vertrauenswürdig ist.»
Betrug immer melden
Passiert dennoch ungewolltes und Geld wird veruntreut, werden die Situationen unterschiedlich beurteilt. Und tatsächlich kann es in gewissen Fällen sein, dass man das Geld zurückerhält. «Mittlerweile kann man sich gegen Phishing-Betrug bei gewissen Gesellschaften versichern», sagt Chantal Ryf. Danach zählt die eindeutige Kaufabsicht. «Wer beispielsweise eine Kartenzahlung mit 3D-Secure bestätigt, sprich einer Sicherheitsapp, die quasi als Zwei-Faktor-Authentifizierung fungiert, der hat den Kauf definitiv und endgültig bestätigt. Hier erhalten Opfer höchst selten Geld zurück», sagt Chantal Ryf. Bieten die vermeintlichen Verkäufer, also die Betrüger, diese Sicherheitsschwelle aber nicht an, ist die Chance wesentlich grösser, dass Geld zurückfliesst.
Allgemein hat die Clientis Bank Oberaargau dieses Jahr für interne Zwecke neue Drehbücher erstellt, um bei solchen Betrugsmaschen bestmöglichst handeln zu können. «Wir raten allen, die betrogen worden sind, dies zu melden. So können beispielsweise IBAN-Nummern auf einer «schwarzen Liste» aufgenommen werden und andere vor ungewollten Zahlungen geschützt werden.» Auch eine Anzeige bei der Polizei sei wichtig, sagt Chantal Ryf weiter.
Verschlüsselt bezahlen als Lösung
Wer also im Internet bezahlt, soll grundsätzlich skeptisch sein findet die Attiswilerin. «Bei Shops, die ich nicht kenne, schaue ich mir immer Google-Rezessionen an.» So könne man die Vertrauenswürdigkeit prüfen. Temu, ein aufstrebender Online-Shop, sei beispielsweise nur mit Vorsicht zu geniessen. «Temu-Kundendaten tauchen leider immer wieder auf dem Schwarzmarkt auf. Wer unbedingt dort bestellen will, dem rate ich beispielsweise zu Apple Pay, weil Zahldaten explizit verschlüsselt werden. Die Kreditkarte direkt angeben birgt immer Risiken.» Allgemein hilft derweil auch das Internet selbst. Unter cybercrimepolice.ch werden nämlich aktuelle Betrugsmaschen für die allgemeine Sensibilisierung aufgelistet.
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